… oder wie es weiterging nach Damaskus.

Es sind schon wieder Monate ins Land gezogen seit ich am 8. Oktober 09 meine Reise beendet habe. Die Reise war ja dann doch etwa einen Monat schneller fertig als geplant aber zu dem komme ich später noch. Hier zuerst noch kurz die Eckdaten der Reise: 28 Monate & 10 Tage unterwegs, ca 108′000 Km dem Twin Motor auferlegt und 33 Länder dabei durchquert. Ich bin zufrieden (wenn man das so sagen darf)!

Was hat also zum etwas vorzeitigen Ende dieser Reise geführt? Das letzte Lebenszeichen auf meiner Webseite war noch aus Damaskus. Nachdem Michael und ich dort einige Tage verweilten machten wir uns auf Richtung Türkei. Einige Tage später hatten wir die Grenze zwischen Syrien und der Türkei hinter uns und fühlten uns echt wieder wie in Europa. Den ersten Supermarkt den wir ansteuerten war eine Migros :-)   Wir kauften Efes Bier und Burger um den Abschied zu feiern. Michael wollte der südlichen Küste gen Westen fahren, während ich mich durch die Mitte aufmachen wollte. Hatte ich doch von einigen schon über das schöne Kappadokien gehört und wollte mir das nicht entgehen lassen. Nach einer kühlen Nacht im Zelt trennten sich also unsere Wege am 30. September 09 in Adana und ich fuhr Richtung Norden in die Berge. Verdammt, wurde das kalt! Das erste Mal seit dem Äthiopischen Hochland musste ich alle Reissverschlüsse an meiner Jacke schliessen. Vorbei war es mit der Wärme des Südens, denn für den Rest der Heimreise blieb es kalt. Auf dem Weg nach Kappadokien fuhr ich möglichst abseits der Hauptverkehrsachse und durfte so einige interessante Dörfer erleben. Am Ziel herrschte schönes Wetter und der Zeltplatz war voll mit anderen Reisenden. Natürlich viele Wohnmobile aber eben auch mit anderen Reisenden, die wie ich länger auf zwei Rädern unterwegs waren oder noch sein wollten. Mindestens vier davon hatten zwar keinen Motor aber fast so viel Gepäck wie ich :-) Ein reger Informationsaustausch fand statt und ich blieb zwei Tage hängen. Am zweiten Tag klingelte doch tatsächlich mein Handy mit mir einer bekannten Telefonnummer im Display. Mein ehemaliger Arbeitgeber aus der Schweiz war dran.
“Hallo, wo bist Du?”
“Hallo, in der Türkei.”
“Was, schon wieder in den Ferien?”
“Öh, nein ich war noch gar nicht Zuhause sondern bin immer noch auf meiner Weltreise.”
“Mmhh, wir hätten da einen Job für Dich. Willst Du nochmals nach Bosnien in den Einsatz?”
“……., als was und wann dann?”
“Als …. ab 6. November 09 für sechs Monate.”
“Easy, dann habe ich ja noch einen Monat bevor ich Zuhause sein muss.”
“Äh nein, der Kurs fängt am Montag dem 12. Oktober an.”
“Ups, dann muss ich kurz ein paar Stunden darüber Nachdenken, wir hören uns…”

Tja, den Job habe ich dankbar angenommen denn man braucht irgendwann auch wieder ein bisschen Geld zum Leben nachdem man 28 Monate nur Geld ausgegeben hat und nichts aufs Bankbüchlein einbezahlt wurde. Zudem musste ich mir so keine Sorgen wegen Klamotten, Job, Wohnung und all den anderen Alltagsproblemen machen. Also hiess es die Black Widow satteln und auf dem (fast) schnellsten Weg nach Hause fahren. In einem Tag bin ich dann von Göreme bis fast nach Istanbul geritten wo ich mein Zelt neben einem Flusslauf aufgeschlagen habe.
Zweite Tagesetappe (03. Okt 09) ging es über den Bosporus ab nach Europa und dann gleich weiter nach Griechenland. Beim griechischen Zoll musste ich nicht mal mehr absteigen. Ein Mal mit dem CH Pass gewedelt und durch war ich. Wow, so easy kann es gehen! Weiter über eine neue (EU-finanzierte!) Autobahn bis fast nach Thessaloniki wo ich den Bergen übernachtete. Hier war es wirklich kalt. Seit Anfang Griechenland hing eine tiefliegende Wolkendecke und die Sonne war nicht zu sehen. Es wurde teilweise echt ungemütlich auf dem Hobel. Musste mir sogar eine zweite Hose unter meine BMW Klamotten anziehen. Nach der Nacht in den Bergen ging es weiter nach Mazedonien. Die Autobahnen (Schnellstrassen wäre das bessere Wort) hatten Schlaglöcher ohne Ende aber macht nichts, man kann ja trotzdem prophylaktisch mal Maut verlangen…. zum Glück nahmen sie Euro denn ich hatte echt keinen Bock hier noch Geld zu wechseln. Noch kurz in Skopje beim McDonalds vorbeigeschaut, verpflegt, aufgewärmt, gratis Internet genutzt und weiter in den Kosovo. Die Grenzbeamten waren top freundlich und konnten gut Englisch. Grüner Versicherungsausweis bitte. Kein Problem, den hatte ich mir von Yvonne nach Ägypten bringen lassen, wohlwissend dass es sonst in der Türkei Probleme geben würde. Der Beamte schaut sich den Fackel an und meint der Kosovo sei nicht drauf. Easy, will ja nur schnell via Pristina nach Montenegro rüberdüsen. Auf ein kleines Gebäude zeigend teilt er mir mit wo ich die Versicherung abschliessen kann. Ich latsche rüber und werde aufgeklärt das die Sache knapp 20 Euro kostet. Das sind ja schon Preise wie für ein Visa in Afrika! Den Kosovo umgehen wollte ich nicht also musste ich wohl oder über eine Police kaufen. Einige wenige Stunden und viele Fahrzeuge mit CH Nummernschilder später bin ich schon in Montenegro wo ich über die geilsten Pässe kurve. Kurz vor der serbischen Grenze wird es Zeit für ein Nachtlager und ich genehmige mir ein Zimmer in einem kleine Restaurant direkt am Fluss.
Am vierten Tag noch kurz durch Serbien und dann von Osten her endlich die Einreise nach Bosnien & Herzegovina. Mittlerweile trage ich ein T-Shirt, einen Pullover, die North Face Windbreaker und meine BMW Jacke. So kalt fühlt es sich im Balkan an. Doch kaum komme ich in die Region von Sarajevo (meine zukünftige Heimat) tut sich der Himmel auf und es wird warm. Mitten in Sarajevo komme ich in eine Demonstration rein und mir läuft mittlerweile der Schweiss in die Schuhe! Zum Glück kenne ich mich ein bisschen aus und schaffe es über Schleichwege aus dem Stau raus und fahre nach Breza wo ich bei Freunden übernachte.
Am nächsten Tag fahre ich nach Banja Luka wo ich die Jungs im RCC 1 besuche und von dort weiter nach Bosanksa Gradiska wo die Schweizer Armee ein LOT (Liaison & Observation Team) betreibt. Man kennt ja immer einige Leutchen und als zukünftiger verantwortlicher darf man sich ja auch schnell zeigen. Am Nachmittag mache ich mich wieder auf den Weg, denn ich muss vor dem Einsatz noch schnell nach Hause. Also wieder über eine Grenze (BiH-HR) und ab auf die Autobahn. Doch das Getriebe macht leider echt schlimme Geräusche. Seit ich den Kettenkit in Ägypten gewechselt habe, höre ich dieses Rauschen und spüre Vibrationen in den Fussrasten. Eigentlich blieb es immer etwa gleich doch heute klingt es bös. Auf der Autobahn nach Zagreb überlege ich schon in Varianten… vielleicht einen Lieferwagen oder Bus mieten um einen Getriebeschaden oder schlimmer, einen kompletten Motorschaden zu vermeiden? Ne ne, nach so vielen Kilometern wird mich die Twin sicherlich nicht im Stich lassen. Und so war es dann auch. Am Abend in Slovenien auf einem Campingplatz übernachtet und den Oelstand nochmals kontrolliert. Oel war genügend drin aber ich habe vorsichtshalber ein bisschen Oel über das Maximum eingefüllt und siehe da, am nächsten Tag schnurrte die Twin wieder viel schöner. Ein Lagerschaden hat sie trotzdem irgendwo, ich tippe aufs Hauptlager an der Getriebewelle. Aber mit über 140′000 Km auf dem Tacho darf sie auch mal reklamieren :-)
Tag sechs und ich fahre durch Slowenien, Österreich (scheiss Maut) und dann rein nach Deutschland. Habe mich mit Tom und Martina verabredet, Tauchkollegen von mir. Die beiden kenne ich nun schon eine Weile. Sie kamen ja auf Bali wo wir zusammen tauchen gingen und Martina kam mit einer Kollegin später dann auch noch nach Bangkok. Zudem hatten die beiden noch einige Sachen von Ruth und mir nach Hause genommen und so konnte ich diese gleich mitnehmen. Danke euch beiden.
8. Oktober, Tag sieben seit Göreme und der letzte Tag meiner Weltreise. Ich wollte in Waldshut über die Grenze um den Kauf einer Vignette zu vermeiden. Lustigerweise war ich ja auf meiner letzten Reise schon über diesen Grenzübergang wieder in die Schweiz eingereist. Und tatsächlich war der gleiche Grenzwächter auf Dienst! Er erkannte die Maschine und mich… unglaublich. Bevor ich aber in die Heimat einreiste, besuchte ich noch Bekannte die ich in Kenia getroffen hatte. Britta, Jochen und ihre Kiddies waren mit einem Iveco die Westküste Afrikas runter und dann an der Ostküste rauf bis Kenia gefahren. Also kurz noch auf Kaffee vorbeigeschaut bevor es definitiv in die Heimat ging.
Tömi und Beat hatten in Villmergen auf 19 Uhr einen Willkommenstrunk organisiert und so fuhr ich bei strömendem Regen (seit Stuttgart) einige Minuten später ein. Viele bekannte Gesichter die ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen hatte, warteten da auf mich. Ein schönes Ende einer Weltreise! Danke an alle.

Tja und so kam ein weiteres schönes Kapitel meines Zigeunerlebens zum Ende. Freitag, Samstag, Sonntag war Auspacken und gleich wieder Einpacken angesagt, denn am Montag morgen durfte ich ja wieder Einrücken und Tenü Grün war wieder angesagt…

To be continued…

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